Das Handelsblatt und die “stille Enteignung” – ein Faktencheck

Das Handelsblatt empört sich heute in einer Titelgeschichte über die vermeintliche “stille Enteignung” der Deutschen: “Hochsteuerland, Nullzinspolitik, Verstaatlichung – Wie sich der Staat an unserem Eigentum vergreift”.

Darin heißt es unter anderem:

“Die Kanzlerin, ihr Herausforderer, der oberste Währungshüter: eine Große Koalition der stillen Enteigner regiert das Land. Sie besteht aus Notenbankern, die die Zinsen drücken, aus Wahlkämpfern, die die Steuern erhöhen wollen, und Politikern, die wie in der Energiewirtschaft oder der privaten Krankenversicherung ganze Wirtschaftszweige enteignen.

Diese Große Koalition hat sich nicht formell gebildet. Sie arbeitet meist im Stillen. Nur manchmal dringt von ihrem Tun etwas nach außen: wenn mal wieder Zinsen fallen, mal wieder Preise steigen, mal wieder Steuern erfunden oder Unternehmen gegängelt werden. Immer natürlich im Dienst der guten Sache: Mal muss das Eigentum der Deutschen herhalten, um Europa zu retten, mal, um die Energiewende zu schaffen. “

Wäre das eine angemessene Beschreibung der Wirklichkeit, dann wäre Empörung angebracht. Ich halte die These von der “stillen Enteignung” allerdings für nicht haltbar.  Die implizite Darstellung, der Rest Europas halte sich am deutschen Michel und seinem sauer Ersparten gütlich, ist nicht nur falsch, sondern wenige Wochen vor der Bundestagswahl aus meiner Sicht ziemlich gefährlich.

Grundrecht auf positiven Realzins?

So unterstellt die Klage darüber, die Niedrigzinspolitik der EZB sei eine “Enteignung” der deutschen Sparer, dass die Bürger eine Art Grundrecht auf einen positiven Realzins hätten, und die Notenbank dieses mit ihrer Geldpolitik zu wahren habe. Das ist natürlich absurd.  Genauso wenig wie es ein Recht auf steigende Aktienkurse oder steigende Immobilienpreise gibt, existiert ein Anspruch auf eine Mindestrendite für Sparer. Weder im Grundgesetz noch im Mandat der Bundesbank, der EZB oder irgendeiner anderen Notenbank der Welt ist festgeschrieben, dass die Zentralbank den Sparern bitteschön eine ordentliche Verzinsung zu garantieren habe.

Das oberste Ziel der Geldpolitik ist es, die  nominale Inflation im Zaum zu halten. Aus einer Reihe von Gründen bedeutet das in der Praxis, dass die Notenbanken ein Inflationsziel von rund zwei Prozent  verfolgen. In Deutschland sind die Verbraucherpreise zwischen April und Juli im Jahresvergleich pro Monat um 1,2 bis 1,9 Prozent gestiegen. 2012 kletterten die Verbraucherpreise in Deutschland um 2,0 Prozent und 2011 um 2,1 Prozent. In den beiden Jahren davor war die Inflation mit 0,3 Proent (2009) und 1,1 Prozent (2011) sogar deutlich niedriger.

Mit Blick auf ihren Hauptauftrag, die Verbraucherpreise stabil zu halten, macht die EZB ihren Job also sehr gut. Niedrig sind die Leitzinsen derzeit nicht etwa, weil Mario Draghi sich einer heimlichen Enteigner-Koalition angeschlossen hat, sondern weil die gesamte westliche Welt seit dem Jahr 2007 in die tiefste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression gefallen ist. Das Finanzsystem stand am Kollaps und drohte die Realwirtschaft mit in die Tiefe zu reißen.

Eine der wichtigsten Lektionen aus der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre und auch der Japan-Krise der 90er-Jahre ist, dass die Geldpolitik mit einer aggressiven expansiven Politik gegensteuern solle. Diese Sicht ist unter weltweit führenden Makroökonomen Konsens und durch eine Phalanx an theoretischen und empirischen Arbeiten gedeckt. Die extrem niedrigen Leitzinsen sind die Konsequenz dieser notwendigen Ultra-Stimulanz.

Sicherlich sind sie für Sparer und für Lebensversicherer unangenehm – die Alternative dazu wäre jedoch eine Situation wie in den 30er Jahren, in der die Wirtschaftsleistung kollabiert und die Arbeitslosigkeit durch die Decke geht.

Sich in dieser Diskussion auf die unangenehmen Nebenwirkugen für die Sparer zu fokussieren, ist ungefähr genauso sinnvoll wie das Ende einer Chemotherapie zu fordern, weil dem Patienten die Haare ausfallen.

Eurorettung?

Zwischen den Zeilen suggeriert das Handelsblatt, die Niedrigzinspolitik der EZB diene dazu, die europäische Währungsunion zusammenzuhalten:

 ”Vielleicht retten wir so den Euro. Vielleicht halten wir so den Staat handlungsfähig. Man weiß es nicht. Ganz sicher aber legen wir so Axt an einen Wert, der in den vergangenen Jahrzehnten zentral für unsere Marktwirtschaft war: das Eigentum. Ist es das wert?”

Diesen Zungenschlag halte ich für irreführend, denn es wird suggeriert: Hätten wir noch die gute alte D-Mark, dann würde es den Sparern besser gehen. Das ist ein Irrglaube. Die derzeitige Niedrigzinspolitik ist unabhängig davon, ob es den Euro gibt oder nicht, wie schon ein flüchtiger Blick nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten zeigt: Dort sind die Leitzinsen noch etwas niedriger als in Europa, und sie sind es schon deutlich länger. Die EZB hat – wie die anderen führenden Notenbanken – ihre Zinsen gesenkt, um den ökonomischen Fallout der zweiten Weltwirtschaftskrise zu beschränken.

Hochsteuerland?

Mit Blick auf die Steuerpolitik sprechen zahlreiche Fakten dagegen, dass der deutsche Staat übermäßig gierig ist. Deutschland ist im internationalen Vergleich sicherlich keine Steueroase, aber eben auch kein ausgesprochenes Hochsteuerland.

Gerade den gut verdienenden Menschen in Deutschland, die den Großteil der Steuern zahlen, geht es besser denn je. Im Mai 2012 meldete  die “FAZ” unter Berufung auf die Unternehmensberatung Boston Consulting Group: Die Zahl der deutschen Haushalte, die über ein Finanzvermögen von mindestens einer Million Dollar verfügen, ist 2011 um acht Prozent gestiegen:

“Mit insgesamt 345.000 Millionärshaushalten nimmt Deutschland damit weltweit den fünften Rang hinter den Vereinigten Staaten, Japan, China und Großbritannien und knapp vor der Schweiz ein.”

Kann man angesichts dieser Entwicklung ernsthaft von einer “stillen Enteignung” sprechen? Ich meine: Nein.

Ein weiteres Argument dagegen ist, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland seit der Wiedervereinigung laut OECD stark zugeommen hat: “The wage gap between the 10% best and least paid of full-time German workers has increased by more than a fifth since 1990″, stellte die OECD 2011 fest.

Ein Hauptgrund dafür sei ein starker Anstieg der Kapital-Einkommen:

 ”An important part of rising market inequality in Germany is the development of capital income. There is a shift from earnings to capital income for higher-income persons. The contribution of capital income to total income inequality is still minor but has almost doubled from 8% to 15.5%. The share of capital income in total household income remained stable at around 7% in the past decade.”

Auch das spricht nicht gerade für eine schleichende Enteignung des deutschen Mittelstandes.

Im Gegenteil, die Unternehmen werden in Deutschland milder besteuert als in der Vergangenheit. Der Körperschafteuersatz wurde im Zuge mehrere Unternehmensteuerreformen deutlich gesenkt.  Laut einer Studie des DIW Berlin liegt die effektive Steuerbelastung der Unternehmensgewinne dezeit gerade einmal bei 21 Prozent.

Ähnlich sieht die Entwicklung bei der Einkommensteuer aus. Mitte der 80er-Jahre lag der Spitzensteuersatz in Deutschland bei 56 Prozent – in den Jahren 2005 und 2006 war er auf 42 Prozent gesunken, inzwischen liegt er wieder bei 45 Prozent. (Der Höchstsatz greift aber nur für Jahreseinkommen über einer Viertelmillion Euro.)

Das gesamte Aufkommen von Steuern und Sozialabgaben in Deutschland summierte sich laut OECD 2010 auf 36,1 Prozent und war damit leicht höher als der Durchschnitt aller OECD-Länder, der bei 33,8 Prozent liegt. Allerdings gibt es zwölf Industrieländer, in denen der Staat noch größere Ansprüche an seine Bürger stellt – unter anderem die Niederlande (38,7 Prozent) und Österreich (42 Prozent). Die deutsche Steuerlast ist in den vergangenen Jahrzehnten bemerkenswert konstant geblieben – seit Mitte der 70er Jahre schwankt sie zwischen 35 und 37 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Bei den persönlichen Einkommensteuern liegt Deutschland im soliden Mittelfeld – die Belastung summiert sich auf 8,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, der OECD-Durchschnitt lag 2010  bei 8,4 Prozent. Selbst Neuseeland, das häufig als Musterbeispiel für eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik gilt, verlangte seinen Bürgern mit 11,9 Prozent mehr ab.

Die Steuern auf Grundeigentum liegen in Deutschland laut OECD  bei 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – fünf mal weniger als in Großbritannien (4,2 Prozent) und vier mal weniger als in den USA (3,2 Prozent). Auch im Durchschnitt der OECD-Länder (1,8 Prozent) wird Grundeigentum in Deutschland deutlich weniger stark besteuert.

Die Steuern auf Unternehmengewinne summierten sich in Deutschland laut OECD im Jahr 2010 auf 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung und waren damit rund halb so hoch wie im Durschschnitt aller Industrieländer. In den Vereinigten Staaten (2,7 Prozent) und Großbritannien (3,1 Prozent) und auch der Schweiz (2,9 Prozent) greift der Staat seinen Unternehmen deutlich tiefer in die Tasche. Unter den 32 Staaten, für die die OECD Daten ausweist, sind gerade einmal zwei, in denen die Steuerlast auf Unternehmensgewinne niedriger ist: die beiden Zwergstaaten Island (1,0 Prozent) und Estland (1,4 Prozent).

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Mein persönlicher PRISM break – eine erste Zwischenbilanz

Q: Why should people care about surveillance?

A: Because even if you’re not doing anything wrong, you’re watched and recorded. (…) You don’t have to have done anything wrong, you simply have to have eventually fall under suspicion from somebody even by a wrong call. And then they can use the system and go back in time and scrutinize any decision you have ever made, every friend you have ever something discussed ever with and attack you on that basis to derive suspicion from an innocent life and paint anyone in the context of a wrongdoer. ”

Edward Snowden, Juni 2013

 Ich gebe es zu: Ich war naiv, und ich war vor allem bequem. Um den Schutz meiner digitalen Privatsphäre habe ich mir bis Anfang Juni 2013 kaum Gedanken gemacht. Gmail, Facebook, Google Drive, Chrome, Dropbox – all diese Dienste nutzte ich täglich.

Dass diese Unternehmen meine Daten für kommerzielle Zwecke nutzen, war mir klar. Ich dachte aber: Das Schlimmste, was passieren kann, ist doch nur, das jemand versucht, mir etwas zu verkaufen.

Die Enthüllungen von Edward Snowden über die Totalüberwachung des Internets durch amerikanische und britische Geheimdienste haben mich entsetzt – und zum Umdenken bewogen. Wahrscheinlich kann man dem Datenschleppnetz der NSA nicht vollständig entkommen. Aber ich habe mich entschlossen, es der digitalen Stasi so schwer wie möglich zu machen. Einerseits aus Prinzip. Andererseits, weil ich als Wirtschaftsjournalist mit vertraulichen Quellen zu tun habe, deren Identität ich schützen muss.

Hinzu kommt: Die Vorstellung, dass rechschaffende Bürger die Überwachung durch den Staat nicht zu fürchten brauchen, wird auch durch ein krasses Beispiel aus Großbritannien entkräftet: Jüngst kam ans Licht, dass die Londoner Polizei vor rund 20 Jahren versucht hat, belastendes Material gegen die Familie eines Mordopfers zu finden, die die Ermittlungen der Polizei kritisierten. Wer in solch einen Vorgang gerät, muss in Zukunft damit rechnen, dass die Behörden sein gesamtes bisheriges Leben rückwirkend vollständig durchleuchten könnten. Irgendetwas, mit dem man eine Person diskredittieren oder erpressen kann, wird sich sicherlich bei fast jedem finden.

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Das Milliardengeschenk von NRW an Goldman Sachs

Mehr Markt, weniger Staat – die Privatisierung der  Wohnungsgesellschaft LEG war eines der Prestigeprojekte der schwarz-gelben NRW-Landesregierung von Jürgen Rüttgers (CDU).

Mitte 2008 verkaufte das Land das Unternehmen an die  US-Investment-Bank Goldman Sachs. “Es ist uns gelungen, die LEG zu einem guten Preis zu veräußern”, sagte der damalige NRW-Finanzminister Helmut Linssen und heutige CDU-Bundesschatzmeister damals.

Heute ist klar: Genau das Gegenteil war der Fall . Der Preis war gut, aber nur aus Sicht des Käufers. Die nordrhein-westfälischen Steuerzahler machten ein extrem schlechtes Geschäft, wie der heutige Börsengang der LEG deutlich macht. Goldman zahlte vor fünf Jahren 787.1 Millionen Euro für die LEG – an der Börse ist das Unternehmen heute drei mal so viel wert, rund 2,3 Milliarden Euro. Weiterlesen

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Irritierende Sonntagslektüre: Hitlers Uhr, Brüderles Kuh

Der Sonntag morgen beginnt für mich neuerdings immer mit dem Blick in den neuen “Spiegel” und die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”. Dank iPad kann ich beide Blätter auch in London ohne Zeitverzögerung lesen.

Heute war ich gleich zweimal irritiert. Zuerst vom “Spiegel”.

“Hitlers Uhr”

In der  Titelgeschichte geht es in der neuen Ausgabe um von Nazi-Deutschland geraubte Kunst- und Wertgegenstände und die Frage, wie die Bundesrepublik mit diesem Vermächtnis umgeht. Kein uninteressantes Thema. Aber was schreibt der Spiegel auf sein Cover?

“Hitlers Uhr. Deutschlands Geheimnis”.

An sich ist das schon ziemlich dadaistisch. Oder, wie der Kollege  Sebastian Christ bei Facebook treffend kommentierte:

“Habe ich immer noch Fieber, oder geht es auf dem Spiegel-Titel wirklich um “Hitlers Uhr”?”

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Wiedeking, Staatsanwälte und die FAZ

(Wichtiger Hinweis: Bitte beachten Sie die Updates am Ende des Posts. Die ganze Sache ist ein bisschen anders gelagert, als ich anfangs vermutet hatte.)

Blattmacher:  ”Hat jemand noch irgendeine Idee für ‘Menschen und Wirtschaft’? Wir haben noch riesen Löcher.”

Redakteur:  ”Guck mal im Stehsatz. Da liegt doch noch  irgendwo das Stück über Wiedeking und seine neue Pizzakette.” 

Dieser Dialog dürfte sich so oder so ähnlich gestern in der Hellerhofstraße im Frankfurter Gallusviertel abgespielt haben.

Die  Kollegen in Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung  hatten gestern  offenbar auf ihrer  Namensseite akute Themennot – und kramten ganz tief in ihrem Stehsatz.

Darin fand sich zum Glück  ein Text über einen Auftritt des Ex-Porsche-Boss Wiedeking in Ludwigshafen, bei dem er  seine neue Restaurant-Kette “Tialini” vorstellte. Das ist offenbar inspiriert von “Vapiano”, eine gehobene Schnellrestaurant-Kette für Pizza und Pasta (die ich nicht besonders mag).

Der Text “Von Porsche zu Pizza” ist  ganz nett geschrieben, in hübschen Plauderton. In der Mitte der zweiten Spalte findet sich dann folgende Passage:

 ”Es dauert eine Weile, bis jemand die Frage nach den staatsanwaltlichen Ermittlungen stellt. Wiedeking ist vorbereitet, fast froh. Er gehe davon aus, dass es nicht zu einer Anklage komme, sagt er. Das Verfahren sei in sich zusammengefallen.”

Hm….

Ich habe  sicherheitshalber zweimal  geprüft, ob ich wirklich die FAZ-Ausgabe vom 8. Januar auf meinem iPad aufgerufen habe.

Denn: Am 19. Dezember teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit, dass sie gegen den ehemaligen Vorstand von Porsche Anklage erheben wird.

Früher, als ich klein war, gab  noch ein FAZ-Schwesterblatt namens “Blick durch die Wirtschaft”, das als “Blick durch den Stehsatz” verspottet wurde. Das Blatt wurde vor Jahren eingestellt – und in die FAZ integriert.

Update: Oder kam der FAZ-Artikel doch nicht aus dem Stehsatz? Die Ludwighafener Bild-Zeitung berichtete gestern:

“Heute präsentierte der Unternehmer seine neue Italo-Gastrokette „tialini“ in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz).”

Dann machen aber Wiedekings Aussagen zum Ermittlungsverfahren überhaupt keinen Sinn…

 Update II: Inzwischen hat ein PR-Kollege, der vor Ort dabei war, dankenswerswerter Weise geholfen, den Sachverhalt aufzuklären. Auf Facebook kommentierte Volker Siegert:

“Lieber Olaf, hier kann ich aufklärend beitragen und der FAZ die Ehre retten: Gestern gab es eine Pressekonferenz im Restaurant in Ludwigshafen, darüber hat der Redakteur tagesaktuell berichtet. Und die Frage nach den Ermittlungen wurde Wiedeking tatsächlich gestern gestellt, so beantwortet und die Sache wurde korrekt wiedergegeben. Also nix mit Stehsatz.”

Hm…

Einerseits ist es gut  zu wissen, dass die Texte in der FAZ frischer sind, als sie vielleicht machmal auf den ersten Blick wirken. Für die Vermutung, aus Versehen einen alten Text gedruckt zu haben, ohne ihn zu aktualisieruen, muss ich mich bei den FAZ-Kollegen daher entschuldigen (vor allem für meinen  missverständlichen Tweet bei Twitter, der meine Vermutung als Tatsache darstellte und Gerald Braunberger auf die Zinnen brachte. Habe diesen Tweet inzwischen gelöscht). Ich habe daher auch den Titel des Blogposts, der ursprünglich “ Wiedeking, Staatsanwälte und der Stehtsatz der  FAZ” lautete, geändert.

Andererseits aber ist es ziemlich ernüchternd, dass die versammelte Journallie in Ludwigshafen sich so von Wiedeking täuschen ließ und er mit so einem Trick durchkommt. Wie kann es sein, dass  kein Kollegen mitbekommen, der vor Ort war, mitbekommen hat, dass die Entscheidung zur Anklage  gegen Wiedeking am 19. Dezember gefallen ist? (Darüber wurde damals ja nun wirklich breit berichtet.) Und wie kann es sein, dass sowas bei der führenden überregionalen Tageszeitung des Landes auch noch unwidersprochen ins Blatt kommt?

 Update III:

Offenbar war es doch noch ein bisschen anders. Volker Siegert hat inzwischen  seine Antwort auf Facebook präzisiert. Er schreibt:

“Die Frage lautet in der Tat nicht, ob die Anklage erhoben wird, sondern ob das Gericht sie zulässt. Du Adlerauge.”

Im FAZ-Artikel wird also nur die Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft und die Entscheidung des Gerichts darüber, ob die Anklage angenommen wird, verwechselt. Sowas ist extrem ärgerlich,  passiert aber leider. (In meinem ersten Artikel, den ich als Journalistenschüler für die “Zeit” geschrieben habe, habe ich aus einem Generalanwalt einen Generalstaatsanwalt gemacht – ein Fehler, über den ich mich bis heute gräme.)

Wie ich aus eigener Recherche weiß, halten es die meisten Insider allerdings  für absolut unwahrscheinlich, dass das  Gericht die Anklage gegen Wiedeking und Co.  tatsächlich ablehnt.

 

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Und sie bewegt sich doch – warum der Kompromiss zur Bankenunion ein guter ist

Insider, die nah an den Verhandlungen über die Bankenunion dran waren, hielten selbst Ende vergangene Woche einen schnellen Kompromiss für ziemlich unwahrscheinlich.

Zu groß erschienen die Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und Frankreich, zu komplex wirkten die offenen juristischen Fragen. Und dann waren da noch die Briten, die wie so häufig komplizierte Sonderwünsche anmeldeten.

Dass sich die europäischen Finanzminister jetzt trotzdem auf einen einen Kompromiss über den den rechtlichen Rahmen für die gemeinsame Bankenaufsicht geeinigt haben, ist bemerkenswert – und eine positive Überraschung. Weiterlesen

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“Ökonomen Live”: Das Ende der FTD und die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus

Welche Zukunft hat der Wirtschaftsjournalismus in den Zeiten der Medienkrise? Was sollten Journalisten, was die Verlage anders machen, um in Zukunft ökonomisch tragfähig zu sein?

Diese Fragen diskutieren die Wirtschaftsblogger Arne Kuster (Wirtschaftswurm), Dirk Elsner (Blicklog) und ich am Dienstag abend in der zweiten “Ökonomen live”-Diskussionsrunde im Internet ab 20 Uhr deutscher Zeit. Wir nutzen die “Hangout on Air”-Technologie von Google Plus, jeder kann die Diskussion live über Youtube verfolgen.

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Das Ende der FTD und die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus

Welche Zukunft hat der Wirtschaftsjournalismus in den Zeiten der Medienkrise? Was sollten Journalisten, was die Verlage anders machen, um in Zukunft ökonomisch tragfähig zu sein?

Diese Fragen diskutieren die Wirtschaftsblogger Arne Kuster (Wirtschaftswurm), Dirk Elsner (Blicklog) und ich am Dienstag abend in der zweiten “Ökonomen live”-Diskussionsrunde im Internet ab 20 Uhr deutscher Zeit. Wir nutzen die “Hangout on Air”-Technologie von Google Plus, jeder kann die Diskussion live über Youtube verfolgen.

Einen Vorgeschmack auf das Format gibt es hier – das war der erste Hangout, den wir Anfang November zur Frage “Soll Deutschland in der Euro-Zone bleiben?”

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Deutsche Ökonomen bei Twitter – das Dezember-Update

Nach vier Monaten ist es dringend mal wieder Zeit für ein Update der Liste der Twitter-Ökonomen – nach meinem Wechsel vom Handelsblatt zu Reuters Breakingviews erscheint sie zum ersten Mal nicht mehr im Handelsblog, sondern in der neuen deutschsprachigen Abteilung meines Blogs “Economics Intelligence”.

  1. @eFlation – “Fondsmanager, Publizist, Cosmonaut” – und  Autor bei Wiessaussieht –  (8712 Followers)
  2. @littlewisehen – Der Münchener Wirtschaftsblogger Wolfgang Unglaub –  4324 Follower
  3. @PatrickBernau – Der Online-Chef des Wirtschaftsressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung –  3166 Follower Patrick  war auch einer der ersten Wirtschaftsjournalisten mit einer eigenen Facebook-Fanpage, mit derzeit 198 “Likes”
  4. @tiefseher – Daniel Eckert, Finanzreporter der “Welt” und “Welt am Sonntag”: 2903 Follower
  5. @doener –  Stephan Dörner, Tech Editor beim Wall Street Journal Deutschland  2818 Follower Weiterlesen

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Schläft die deutsche Wirtschaftspresse mit offenen Augen?

Der Auftritt des Deutsche-Bank-Vorstands Stephan Leithner im Bundestag war gestern ohne Zweifel einer der wichtigsten Termine des Tages  für die deutsche Wirtschaftspresse. Unter anderem deshalb, weil die Parlamentarier eigentlich Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain eingeladen hatten. Der aber schickte  lieber seinen für Recht und Compliance zuständigen Vorstandskollegen – und gab  damit  Josef Ackermann eine Steilvorlage, um gegen seinen Nachfolger nachzutreten.

Kurios ist, dass der Wirbel um Jain offenbar dazu führte,  dass  die deutsche Presse  kollektiv die beiden wirklich interessanten  Neuigkeiten des gestrigen Leithner-Auftritts verpasst haben. Die einzigen, die wirklich zuhörten, waren anscheinend die Korrespondenten  der britischen Financial Times. Weiterlesen

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