Das Milliardengeschenk von NRW an Goldman Sachs

Mehr Markt, weniger Staat – die Privatisierung der  Wohnungsgesellschaft LEG war eines der Prestigeprojekte der schwarz-gelben NRW-Landesregierung von Jürgen Rüttgers (CDU).

Mitte 2008 verkaufte das Land das Unternehmen an die  US-Investment-Bank Goldman Sachs. “Es ist uns gelungen, die LEG zu einem guten Preis zu veräußern”, sagte der damalige NRW-Finanzminister Helmut Linssen und heutige CDU-Bundesschatzmeister damals.

Heute ist klar: Genau das Gegenteil war der Fall . Der Preis war gut, aber nur aus Sicht des Käufers. Die nordrhein-westfälischen Steuerzahler machten ein extrem schlechtes Geschäft, wie der heutige Börsengang der LEG deutlich macht. Goldman zahlte vor fünf Jahren 787.1 Millionen Euro für die LEG – an der Börse ist das Unternehmen heute drei mal so viel wert, rund 2,3 Milliarden Euro. Weiterlesen

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Irritierende Sonntagslektüre: Hitlers Uhr, Brüderles Kuh

Der Sonntag morgen beginnt für mich neuerdings immer mit dem Blick in den neuen “Spiegel” und die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”. Dank iPad kann ich beide Blätter auch in London ohne Zeitverzögerung lesen.

Heute war ich gleich zweimal irritiert. Zuerst vom “Spiegel”.

“Hitlers Uhr”

In der  Titelgeschichte geht es in der neuen Ausgabe um von Nazi-Deutschland geraubte Kunst- und Wertgegenstände und die Frage, wie die Bundesrepublik mit diesem Vermächtnis umgeht. Kein uninteressantes Thema. Aber was schreibt der Spiegel auf sein Cover?

“Hitlers Uhr. Deutschlands Geheimnis”.

An sich ist das schon ziemlich dadaistisch. Oder, wie der Kollege  Sebastian Christ bei Facebook treffend kommentierte:

“Habe ich immer noch Fieber, oder geht es auf dem Spiegel-Titel wirklich um “Hitlers Uhr”?”

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Wiedeking, Staatsanwälte und die FAZ

(Wichtiger Hinweis: Bitte beachten Sie die Updates am Ende des Posts. Die ganze Sache ist ein bisschen anders gelagert, als ich anfangs vermutet hatte.)

Blattmacher:  ”Hat jemand noch irgendeine Idee für ‘Menschen und Wirtschaft’? Wir haben noch riesen Löcher.”

Redakteur:  ”Guck mal im Stehsatz. Da liegt doch noch  irgendwo das Stück über Wiedeking und seine neue Pizzakette.” 

Dieser Dialog dürfte sich so oder so ähnlich gestern in der Hellerhofstraße im Frankfurter Gallusviertel abgespielt haben.

Die  Kollegen in Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung  hatten gestern  offenbar auf ihrer  Namensseite akute Themennot – und kramten ganz tief in ihrem Stehsatz.

Darin fand sich zum Glück  ein Text über einen Auftritt des Ex-Porsche-Boss Wiedeking in Ludwigshafen, bei dem er  seine neue Restaurant-Kette “Tialini” vorstellte. Das ist offenbar inspiriert von “Vapiano”, eine gehobene Schnellrestaurant-Kette für Pizza und Pasta (die ich nicht besonders mag).

Der Text “Von Porsche zu Pizza” ist  ganz nett geschrieben, in hübschen Plauderton. In der Mitte der zweiten Spalte findet sich dann folgende Passage:

 ”Es dauert eine Weile, bis jemand die Frage nach den staatsanwaltlichen Ermittlungen stellt. Wiedeking ist vorbereitet, fast froh. Er gehe davon aus, dass es nicht zu einer Anklage komme, sagt er. Das Verfahren sei in sich zusammengefallen.”

Hm….

Ich habe  sicherheitshalber zweimal  geprüft, ob ich wirklich die FAZ-Ausgabe vom 8. Januar auf meinem iPad aufgerufen habe.

Denn: Am 19. Dezember teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit, dass sie gegen den ehemaligen Vorstand von Porsche Anklage erheben wird.

Früher, als ich klein war, gab  noch ein FAZ-Schwesterblatt namens “Blick durch die Wirtschaft”, das als “Blick durch den Stehsatz” verspottet wurde. Das Blatt wurde vor Jahren eingestellt – und in die FAZ integriert.

Update: Oder kam der FAZ-Artikel doch nicht aus dem Stehsatz? Die Ludwighafener Bild-Zeitung berichtete gestern:

“Heute präsentierte der Unternehmer seine neue Italo-Gastrokette „tialini“ in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz).”

Dann machen aber Wiedekings Aussagen zum Ermittlungsverfahren überhaupt keinen Sinn…

 Update II: Inzwischen hat ein PR-Kollege, der vor Ort dabei war, dankenswerswerter Weise geholfen, den Sachverhalt aufzuklären. Auf Facebook kommentierte Volker Siegert:

“Lieber Olaf, hier kann ich aufklärend beitragen und der FAZ die Ehre retten: Gestern gab es eine Pressekonferenz im Restaurant in Ludwigshafen, darüber hat der Redakteur tagesaktuell berichtet. Und die Frage nach den Ermittlungen wurde Wiedeking tatsächlich gestern gestellt, so beantwortet und die Sache wurde korrekt wiedergegeben. Also nix mit Stehsatz.”

Hm…

Einerseits ist es gut  zu wissen, dass die Texte in der FAZ frischer sind, als sie vielleicht machmal auf den ersten Blick wirken. Für die Vermutung, aus Versehen einen alten Text gedruckt zu haben, ohne ihn zu aktualisieruen, muss ich mich bei den FAZ-Kollegen daher entschuldigen (vor allem für meinen  missverständlichen Tweet bei Twitter, der meine Vermutung als Tatsache darstellte und Gerald Braunberger auf die Zinnen brachte. Habe diesen Tweet inzwischen gelöscht). Ich habe daher auch den Titel des Blogposts, der ursprünglich “ Wiedeking, Staatsanwälte und der Stehtsatz der  FAZ” lautete, geändert.

Andererseits aber ist es ziemlich ernüchternd, dass die versammelte Journallie in Ludwigshafen sich so von Wiedeking täuschen ließ und er mit so einem Trick durchkommt. Wie kann es sein, dass  kein Kollegen mitbekommen, der vor Ort war, mitbekommen hat, dass die Entscheidung zur Anklage  gegen Wiedeking am 19. Dezember gefallen ist? (Darüber wurde damals ja nun wirklich breit berichtet.) Und wie kann es sein, dass sowas bei der führenden überregionalen Tageszeitung des Landes auch noch unwidersprochen ins Blatt kommt?

 Update III:

Offenbar war es doch noch ein bisschen anders. Volker Siegert hat inzwischen  seine Antwort auf Facebook präzisiert. Er schreibt:

“Die Frage lautet in der Tat nicht, ob die Anklage erhoben wird, sondern ob das Gericht sie zulässt. Du Adlerauge.”

Im FAZ-Artikel wird also nur die Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft und die Entscheidung des Gerichts darüber, ob die Anklage angenommen wird, verwechselt. Sowas ist extrem ärgerlich,  passiert aber leider. (In meinem ersten Artikel, den ich als Journalistenschüler für die “Zeit” geschrieben habe, habe ich aus einem Generalanwalt einen Generalstaatsanwalt gemacht – ein Fehler, über den ich mich bis heute gräme.)

Wie ich aus eigener Recherche weiß, halten es die meisten Insider allerdings  für absolut unwahrscheinlich, dass das  Gericht die Anklage gegen Wiedeking und Co.  tatsächlich ablehnt.

 

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Und sie bewegt sich doch – warum der Kompromiss zur Bankenunion ein guter ist

Insider, die nah an den Verhandlungen über die Bankenunion dran waren, hielten selbst Ende vergangene Woche einen schnellen Kompromiss für ziemlich unwahrscheinlich.

Zu groß erschienen die Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und Frankreich, zu komplex wirkten die offenen juristischen Fragen. Und dann waren da noch die Briten, die wie so häufig komplizierte Sonderwünsche anmeldeten.

Dass sich die europäischen Finanzminister jetzt trotzdem auf einen einen Kompromiss über den den rechtlichen Rahmen für die gemeinsame Bankenaufsicht geeinigt haben, ist bemerkenswert – und eine positive Überraschung. Weiterlesen

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“Ökonomen Live”: Das Ende der FTD und die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus

Welche Zukunft hat der Wirtschaftsjournalismus in den Zeiten der Medienkrise? Was sollten Journalisten, was die Verlage anders machen, um in Zukunft ökonomisch tragfähig zu sein?

Diese Fragen diskutieren die Wirtschaftsblogger Arne Kuster (Wirtschaftswurm), Dirk Elsner (Blicklog) und ich am Dienstag abend in der zweiten “Ökonomen live”-Diskussionsrunde im Internet ab 20 Uhr deutscher Zeit. Wir nutzen die “Hangout on Air”-Technologie von Google Plus, jeder kann die Diskussion live über Youtube verfolgen.

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Das Ende der FTD und die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus

Welche Zukunft hat der Wirtschaftsjournalismus in den Zeiten der Medienkrise? Was sollten Journalisten, was die Verlage anders machen, um in Zukunft ökonomisch tragfähig zu sein?

Diese Fragen diskutieren die Wirtschaftsblogger Arne Kuster (Wirtschaftswurm), Dirk Elsner (Blicklog) und ich am Dienstag abend in der zweiten “Ökonomen live”-Diskussionsrunde im Internet ab 20 Uhr deutscher Zeit. Wir nutzen die “Hangout on Air”-Technologie von Google Plus, jeder kann die Diskussion live über Youtube verfolgen.

Einen Vorgeschmack auf das Format gibt es hier – das war der erste Hangout, den wir Anfang November zur Frage “Soll Deutschland in der Euro-Zone bleiben?”

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Deutsche Ökonomen bei Twitter – das Dezember-Update

Nach vier Monaten ist es dringend mal wieder Zeit für ein Update der Liste der Twitter-Ökonomen – nach meinem Wechsel vom Handelsblatt zu Reuters Breakingviews erscheint sie zum ersten Mal nicht mehr im Handelsblog, sondern in der neuen deutschsprachigen Abteilung meines Blogs “Economics Intelligence”.

  1. @eFlation – “Fondsmanager, Publizist, Cosmonaut” – und  Autor bei Wiessaussieht –  (8712 Followers)
  2. @littlewisehen – Der Münchener Wirtschaftsblogger Wolfgang Unglaub –  4324 Follower
  3. @PatrickBernau – Der Online-Chef des Wirtschaftsressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung –  3166 Follower Patrick  war auch einer der ersten Wirtschaftsjournalisten mit einer eigenen Facebook-Fanpage, mit derzeit 198 “Likes”
  4. @tiefseher – Daniel Eckert, Finanzreporter der “Welt” und “Welt am Sonntag”: 2903 Follower
  5. @doener –  Stephan Dörner, Tech Editor beim Wall Street Journal Deutschland  2818 Follower Weiterlesen

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Schläft die deutsche Wirtschaftspresse mit offenen Augen?

Der Auftritt des Deutsche-Bank-Vorstands Stephan Leithner im Bundestag war gestern ohne Zweifel einer der wichtigsten Termine des Tages  für die deutsche Wirtschaftspresse. Unter anderem deshalb, weil die Parlamentarier eigentlich Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain eingeladen hatten. Der aber schickte  lieber seinen für Recht und Compliance zuständigen Vorstandskollegen – und gab  damit  Josef Ackermann eine Steilvorlage, um gegen seinen Nachfolger nachzutreten.

Kurios ist, dass der Wirbel um Jain offenbar dazu führte,  dass  die deutsche Presse  kollektiv die beiden wirklich interessanten  Neuigkeiten des gestrigen Leithner-Auftritts verpasst haben. Die einzigen, die wirklich zuhörten, waren anscheinend die Korrespondenten  der britischen Financial Times. Weiterlesen

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Soll Deutschland in der Eurozone bleiben?

Jetzt live auf Youtube: Der erste Ökonomenhangout zur Euro-Krise.

Es diskutieren die Wirtschaftsblogger Arne Kuster (www.wirtschaftwurm.de), Dirk Elsner (www.blicklog.com) und Olaf Storbeck, Ökonomie-Redakteur (noch) beim Handelsblatt und Betreiber des Blogs “Economics Intelligence”.

Hinweis: Dieser Beitrag ist zunächst im Handelsblog des Handelsblatts erschienen.

 

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Was nun Herr Smith?, Teil 2

Im Juli habe ich zusammen mit Norbert Häring für die Freitagsausgabe des Handelsblatts eine Titelgeschichte über die Krise der Volkswirtschaftslehre geschrieben: “Was nun, Herr Smith?”, fragten wir. Zu meiner Überraschung war das eine der am besten verkauften Ausgaben seit  Einführung der “Freitagstitel”.

In den letzten Wochen haben wir an quasi so einer Art Fortsetzung gearbeitet. Nach der Analyse der Probleme des Fachs beschreiben wir jetzt die stille Revolution, die innerhalb der VWL derzeit stattfindet. Denn auch, wenn es von außen den Anschein haben mag, als tue sich wenig bis gar nichts – die VWL bewegt sich doch! Weiterlesen

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